Deklaration von Nassfutter - Qualität einschätzen

Viele Hundebesitzer suchen gezielt nach einem hochwertigen Nassfutter für ihren Vierbeiner. Feuchtfutter bietet dabei mehrere Vorteile: Es ist – wie der Name bereits vermuten lässt – nicht trocken und kann auch ohne den Einsatz von Konservierungsstoffen lange haltbar sein. Häufig zeichnet es sich durch eine bessere Zutatenqualität aus und enthält weniger Füllstoffe sowie weniger Getreide oder andere Kohlenhydrate als Trockenfutter. Gleichzeitig ist es deutlich einfacher zu lagern als Frischfleisch und in der Handhabung ähnlich unkompliziert wie Trockenfutter. Damit verbindet Nassfutter eine vergleichsweise atzgerechte Ernährung mit praktischer Alltagstauglichkeit.

Nachteilig sind vor allem die meist höheren Kosten im Vergleich zu Trockenfutter, was sowohl auf die hochwertigeren Zutaten als auch auf den manchmal hohen Wasseranteil zurückzuführen ist. Zusätzlich entsteht durch Dosen oder Schalen mehr Verpackungsmüll, was aus ökologischer Sicht kritisch betrachtet werden kann.

Für Hundehalter, die ihre Tiere roh oder selbstgekocht ernähren, stellt Nassfutter außerdem eine sinnvolle Ausweichlösung für Urlaubszeiten oder andere unerwartete Situationen dar.

Allerdings ist Dosenfutter nicht automatisch hochwertig. Auch bei Nassfutter gibt es große qualitative Unterschiede. Manche Hersteller verwenden minderwertige Zutaten oder setzen günstige Bindemittel als Füllstoffe ein. Die entscheidende Frage lautet daher: Woran erkennt man ein gutes Nassfutter?

Vorab sei gesagt, dass es keine absolute Sicherheit gibt. Verbraucher können sich lediglich an den Angaben der Hersteller orientieren und die Analysewerte kritisch prüfen.

Was ist sollte enthalten sein?

  • reines (durchwachsenes) Muskelfleisch, auch ein kleinerer Teil Herz ist in Ordnung
  • Nährstoffreiche Innereien d.h. Leber, Niere, Milz (oder alternativ Zusatzstoffe mit den Vitaminen/Mineralstoffen von Innereien)
  • Obst/Gemüse
  • Zusatzstoffe für die Bedarfsdeckung z.B Knochenmehl, Fischöl, Bierhefe, Eierschale, Seealgenmehl…
  • optional: kleinere Mengen Pansen, Lunge (viel schwer verdauliches Bindegewebe, wenig Nährstoffe)
  • optional: Kohlenhydrate z.B Kartoffeln, Pastinaken, Getreide, Pseudogetreide …

Was sollte nicht enthalten sein?

  • tierische Nebenerzeugnisse ohne genauere Angabe (das können sein: Federn, Fell, Augen, Euter, Klauen, Hühnerköpfe usw. ggf. in Mehlform, auch oft von anderen Tieren als der eigentlich deklarierten Fleischsorte)
  • pflanzliche Nebenerzeugnisse ohne genaue Angaben (das können sein: Rübenfasern, Getreideschalen, Stängel, Pressrückstände, Stroh usw…)
  • Hoher Anteil Lunge, Euter, Maul, Schwarte etc.
  • Hoher Anteil minderwertiger Kohlenhydrate z.B Mais
  • Zucker, Melasse oder Rüben(trocken)schnitzel
  • Farb-, Aroma- und Geschmacksverstärker (z.B Glutamate)
  • Konservierungsstoffe wie BHT (E 321) und BHA (E 320)
  • Verdicker und Geliermittel wie Carrageen (ist leider nicht deklarationspflichtig)
  • Therapeutisch eingesetzte Kräuter, die im gesunden Hund nichts zu suchen haben z.B Mariendistel oder Teufelskralle

Um die Qualität eines Futters beurteilen zu können, ist eine transparente Deklaration unverzichtbar. Leider verzichten viele Hersteller darauf, meist aus wirtschaftlichen Gründen.

Die Deklaration

Nur wenn die genaue Zusammensetzung bekannt ist, lässt sich ein Futter sachlich bewerten. Gesetzlich sind für Hersteller mehrere Formen der Deklaration zulässig, die sich jedoch stark in ihrer Aussagekraft unterscheiden.

offene Deklaration: 60% Muskelfleisch vom Reh, 16% Hühnerhälse, 8% Karotten, 5% Spinat, 5% Birne, 4% Rehleber, 4% Rehniere, 4% Rehmilz, 1% Lachsöl, 0,8% Heidelbeeren, 0,1 % Ascophyllum Nodosum (Seealge), 0,1 % Dorschlebertran

halboffene Deklaration: 62% Ziege (bestehend aus Muskelfleisch, Leber, Pansen, Niere, Milz), 16% Ente, 20% Gemüse und Obst, 2% pflanzliche Öle, Mineralstoffe, Algen

geschlossene Deklaration: Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (davon mind 4% Huhn), Getreide, Mineralstoffe, pflanzliche Nebenerzeugnisse, Öle

Gerade die beiden letztgenannten Deklarationsformen sind kritisch zu betrachten. Sie lassen offen, aus welchen Bestandteilen sich Begriffe wie „Huhn“ oder „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ konkret zusammensetzen. Auch bleibt unklar, welche Öle verwendet wurden, ob Knochen enthalten sind, ob ausreichend Innereien eingesetzt wurden oder ob die Nährstoffe natürlichen Ursprungs sind. Bei solchen Futtersorten besteht das Risiko, dass große Mengen minderwertiger Bestandteile wie Lunge oder Tiermehle verarbeitet wurden. Zudem sollten immer klar definierte Fleischbestandteile aufgeführt sein – etwa „Hühnerbrust“ statt lediglich „Huhn“. Erschwerend kommt hinzu, dass gesetzliche Vorgaben zur Futtermittelkennzeichnung zwar existieren, Verstöße jedoch kaum sanktioniert werden. Fehlende oder ungenaue Angaben bleiben für Hersteller daher meist folgenlos.

Für mich kommt ausschließlich Futter mit einer offenen Deklaration in Frage. 

Alleinfuttermittel vs. Ergänzungsfuttermittel

In der Deklaration wird zwischen Allein- und Ergänzungsfuttermitteln unterschieden. Ergänzungsfuttermittel sind nicht dafür gedacht, den Hund dauerhaft allein zu ernähren, da sie den Nährstoffbedarf nicht vollständig abdecken. Lachsöl ist beispielsweise auch ein Ergänzungsfuttermittel.  Ein Alleinfuttermittel hingegen soll theoretisch sämtliche notwendigen Nährstoffe liefern und den Hund dauerhaft versorgen können. Dies 'allein' soll also ausreichen. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass es wirklich nur theoretisch ist. Ca. 9 von 10 Nassfutter sind entweder nicht bedarfsdeckend oder teilweise sogar problematisch überdosiert.

Daher ist es grundsätzlich ratsam, die Inhaltsstoffe jedes Futters kritisch zu prüfen und auch ein Alleinfuttermittel nicht zwangsläufig als einzige Nahrungsquelle zu nutzen.

Der Feuchtigkeitsgehalt

Der Wasseranteil im Nassfutter hängt sowohl von den verwendeten Zutaten als auch von eventuell zugesetztem Wasser ab. Ein sinnvoller Feuchtigkeitsgehalt liegt etwa zwischen 60 und 80 %, idealerweise bei rund 70 bis 75 %. Liegt der Wert deutlich darüber, wurde meist zusätzlich Wasser zugesetzt oder ein hoher Anteil wasserreicher Zutaten wie Gemüse verarbeitet. Für den Hund ist das unproblematisch, allerdings steigt dadurch die benötigte Futtermenge und somit meist auch die Futterkosten.

Der Rohascheanteil

Der Rohaschewert beschreibt den Anteil an Mineralstoffen, der nach vollständiger Verbrennung des Futters übrig bleiben würde. Er ist ein normaler Bestandteil jedes Lebensmittels und bedeutet nicht, dass tatsächlich Asche zugesetzt wurde. Üblicherweise liegt dieser Wert bei Nassfutter zwischen etwa 1,3 und 3 %.

Der Rohfaseranteil

Der Rohfasergehalt gibt Auskunft über den Ballaststoffanteil im Futter. Rohfaser ist für Hunde unverdaulich und kommt hauptsächlich in pflanzlichen Bestandteilen wie Obst, Gemüse und Getreide vor. Muskelfleisch, Fett und Innereien enthalten keine Rohfaser. Eine Ausnahme bildet grüner Pansen, der aufgrund von Futterresten einen geringen Rohfaseranteil aufweist. Ein moderater Anteil an Rohfaser unterstützt die Darmbewegung und eine gesunde Darmflora. Zu hohe Werte können jedoch die Verdaulichkeit des gesamten Futters beeinträchtigen. In der Regel liegt ein sinnvoller Rohfasergehalt bei etwa 0,5 bis 1 %.

Der Fettgehalt

Fett ist der wichtigste Energielieferant für Hunde und versorgt den Organismus gleichzeitig mit essenziellen Fettsäuren. Die Hauptfettquelle sollte aus durchwachsenem Muskelfleisch bestehen. Der Fettgehalt sollte nicht unter 5 % liegen, es sei denn, gesundheitliche Gründe wie eine akute Pankreatitis machen eine vorübergehende Reduktion notwendig. Die meisten Nassfutter enthalten zwischen 10 und 15 % Fett. Bei sehr aktiven Hunden kann auch ein Fettgehalt von bis zu 20 % sinnvoll sein, sofern dieser gut vertragen wird. Hochwertige Öle wie Fisch- oder Algenöl sind dabei Teil des Gesamtfettanteils.

Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe

Dabei handelt es sich um Vitamine, Mineralstoffe oder Spurenelemente, die dem Futter zusätzlich zugesetzt werden, um den Nährstoffbedarf zu decken. Diese Stoffe sind häufig synthetischen Ursprungs. Idealerweise sollten Nährstoffe aus natürlichen Quellen stammen, was bei industriell hergestelltem Futter jedoch nur eingeschränkt umsetzbar ist. In der Praxis macht dies den meisten Hunden auch keine Probleme.

Alle Angaben sind allgemein und müssen von Tier zu Tier individuell betrachtet werden. Alle Aussagen beziehen sich auf gesunde ausgewachsene Hunde.

 

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